Überblick

Der Ritterorden wurde um 1118-1120 zum Schutz der Jerusalem-Pilger nach dem Auslaufen des des Ersten Kreuzzugs gegründet. Die Gründer bezeichneten sich erklärend als „Arme Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels zu Jerusalem (Pauperes commilitones Christi templique Salomonici Hierosalemitanis). Erstmals wurden so die Ideale des bewaffneten adligen Rittertums mit denen der unbewaffneten Mönche verschmolzen. Der Orden war direkt vom Papst legitimiert und damit zunächst für weltliche Regenten unantastbar. Auf Druck des französischen Königs Philipp IV. wurde der Orden nach einem, großes Aufsehen erregenden, umfangreichen Prozess  von Papst Clemens V. am 22. März 1312 im Rahmen des Konzils von Vienne aufgelöst.

Nach dem Fund des Dokumentes von Chinon durch Dr. Barbara Frale, stellte der Heilige Stuhl am 21. Mai 2006 in einer Nachricht des L’Osservatore Romano klar: „Wie bekannt ist, wurde der alte Orden der Templer von Papst Clemens V. (1305–1314) unterdrückt und von keinem anderen Nachfolgestaat wiederhergestellt.“ Damit erkannte der Vatikan an, dass es sich beim Prozess von 1312 und der anschließenden Auflösung des Ordens um einen historischen Justizskandal handelte. Am 16. Oktober 2012 stellte das Vatikanische Staatssekretariat allerdings fest, dass eine kirchliche Anerkennung des Templerordens seitens der katholischen Kirche gegenwärtig nicht mehr gegeben sein könnte, was unter anderem auch mit der ökumenischen Grundhaltung begründet werden kann.


Die Gründung des Alten Ordens

Das genaue Gründungsdatum des Ordens ist bis heute nicht abschließend bekannt. Es gibt Quellenhinweise, dass es zwischen 1118 und 1121 liegen muss. Eine exakte Datierung ist problematisch wegen der unterschiedlichen  zeitgenössischen Stilformen der Urkunden:  Das Konzil von Troyes, in dessen Tagesordnung  eine erste urkundliche Nennung der Tempelritter fällt, ist für den Januar 1128 verbrieft. In der Gegend von Südfrankreich verfasst man die Urkunden im sogenannten Stil Mariä, in dem der Jahresbeginn auf den 25. März fällt: damit wäre der urkundliche 13. Januar 1128 wahrscheinlich dem 13. Januar 1129 nach heutiger Zeitrechnung entsprechend. Diese Deutung ist jedoch in der Forschung umstritten. Diese Urkunde erwähnt die Tempelritter „im neunten Gründungsjahr“, was also eine Gründung im Jahre 1119 oder 1120 vermuten lässt.


Anfänge des Tempelritterordens

In jener Zeit war Jerusalem ein Magnet für viele Wohnsitzlose und Pilger aus ganz Europa. Kurz nach dem ersten Kreuzzug stand der Seeweg übers Mittelmeer ins Heilige Land offen. Die Wege von den befestigten Häfen ins Landesinnere waren insbesondere  in den bergigen Gegenden zwischen Jaffa über Ramla nach Jerusalem von Plünderern, Räubern und Wegelagerern durchsetzt. Weil der Großteil des Kreuzritterheeres nach Europa zurückgekehrt war, bestand für unbewaffnete Pilger kaum Schutz vor Raubüberfällen. 

Daher gründeten französische Ritter, vermutlich Hugo von Payns, Gottfried von Saint-Omer und sieben weitere ritterliche Adelige, eine Schutzgemeinschaft mit dem Ziel, die Straßen des Heiligen Landes für die christlichen Reisenden militärisch zu sichern. Um dabei ihre christliche Gesinnung zu demonstrieren, legten die Ritter vor dem Patriarchen von Jerusalem ihr Ordensgelübde ab, das sich auf die sich auf Armut, Keuschheit und Gehorsam gründete. Ein, bis zu diesem Zeitpunkt übliches Gelübde, aber nun erweitert um den bewaffneten Schutz der Pilger. Neben Hugo von Payens und Gottfried von Saint-Omer vermutet man als Gründerväter weiterhin Andreas von Montbard einen Onkel Bernhards von Clairvaux, Gundomar, Gudfried, Roland, Payen von Montdidier, Gottfried Bisol und Archibald von Saint-Amand. 

Der amtierende König von Jerusalem, Balduin II., überließ den Templern im Jahre 1119 einen Gebäudeflügel seines ehemaligen Palastes auf dem Tempelberg, nachdem er selbst eine neu gebaute Festung in der Gegend um den Davidsturm bezog.

Der Orden nannte sich in Anlehnung an diesen ersten Sitz „Pauperes commilitones Christi templique Salomonici Hierosolemitanis (Arme Ritter Christi und des Tempels von Salomon zu Jerusalem)“.


Wie üblich leiten sich die Statuten des Ordens von der Regel des Benedikt von Nursia aus dem 6. Jahrhundert ab. In einer ersten Fassung legte man sie 1129, in lateinischer Sprache formuliert, auf der Synode von Troyes vor. 

Die zunächst 72 Regeln wurden bis 1260 auf 686 Bestimmungen, in erster Linie für den militärischen Bereich, aber auch als Strafkatalog für Vergehen gegen die Ordensregeln, erweitert.

Aus Verständnisgründen musste man sie schon früh ins Französische übersetzen, da die wenigsten Ritter dieser Zeit des Lateinischen mächtig waren. Das von Bernhard von Clairvaux 1139 verfasste Lob der neuen Ritterschaft, eine Rechtfertigungsschrift für die neue Lebensform der Mönchsritter, wurde ebenfalls in diesen Regeltext integriert.


Der Oden etabliert sich

Im Jahr 1125 erfuhr der Orden den ersten Aufschwung durch den Beitritt des Grafen Hugo I. von Champagne, einem Freund des, in der ganzen theologischen Welt ungemein geschätzten Abtes, Bernhard von Clairvaux. Bernhard zählte mit seinen Lehrmeinungen zu den wichtigsten Klerikern seiner Zeit, und es war so für den jungen Tempelritterorden von enormer Bedeutung, dass Bernhard sich ab 1129 im Vatikan und beim Konzil engagiert für die Unterstützung der Tempelritter einsetzte. 1127 reiste der Tempelritter Hugo von Payens in Begleitung mit acht (diskutiert werden in der Forschung bis zu 30) weiteren Gründungsmitgliedern nach Europa zurück, um für den Orden zu werben. Seit der Gründung hatte die Idee einer Bewaffnung von Mönchen teils heftige Meinungsverschiedenheiten in der Glaubenswelt erzeugt, zu denen die Templer bei den geistlichen Führern der Zeit Stellung nehmen wollten. 

Man kann vermuten, dass in Jerusalem zu jener dieser Zeit bereits eine größere Anzahl an Ordensmitgliedern unter dem Templerbanner in Waffen stand, denn nach nunmehr fast zehn Jahren war 1129 der Ausbau der ersten Festung wohl weitgehend abgeschlossen. Ab 1127 finden sich  zunehmend Dokumente, die Schenkungen von Landbesitzungen im gesamten Europa nördlich der Alpen und insbesondere in Frankreich an den Orden beurkunden. Man geht davon aus, dass ein beträchtlicher Teil der Schenkungen auf die Fürsprache von Bernhard von Clairvaux zurückgeführt werden kann.

Am 13. Januar 1129 wurde dann das Konzil von Troyes abgehalten, zu dem laut der Präambel der Ordensregel der Kardinal Matthias von Albano, einige Bischöfe, die Äbte Hugo von Mâcon von Pontigny, Bernhard von Clairvaux, Stephan Harding von Cîteaux sowie viele weitere Kleriker und Laien zugegen waren. Als Gesandte der Templer waren Hugo von Payens, Andreas von Montbard und möglicherweise weitere Ordensmitglieder zu der Zusammenkunft angereist. 

Dem Konzil wurde eine sorgfältig ausgearbeitete Ordensregel vorgelegt. Insgesamt war diese Regel augustinisch geprägt, doch sind auch zisterziensische Elemente zu finden, was als Hinweis darauf verstanden wird, dass Bernhard an der Aufstellung der Regeln mit beteiligt worden war. Gleichzeitig zum personellen Wachstum des Ordens war mittlerweile eine deutliche Zunahme an  Spendeneinnahmen zu verzeichnen. Einen enormen Bedeutungsgewinn erreichte der junge Orden durch die erneute Bestätigung mit der Bulle „Omne datum optimum“ von Papst Innozenz II., datiert auf den 29. März 1139. 

Nach dieser Bulle bildete der Orden faktisch einen eigenen Staat im Staat Jerusalem und war für weltliche Herrscher nahezu unantastbar. Er war von der Steuer befreit und erhielt sogar selbst das Privileg, Steuern zu erheben. Verbotenerweise verlieh er Geld gegen Zinsen, was wegen der gewachsenen Bedeutung des Ordens  aber  stillschweigend akzeptiert wurde. Mit der stetigen Verbesserung der  Geldverwaltung schufen die Templer völlig neue Finanzinstrumente, läuteten aber über die kommenden Jahrzehnte unbemerkt ihren eigenen Niedergang ein.

Nach ihrem Vorbild formten sich in der Folgezeit bereits bestehende bedeutende  Ordensbruderschaften zu geistlichen Ritterorden um. Der wohl namhafteste von ihnen war der Johanniter- oder Hospitaliterorden, der sich bereits vor 1099 als reine Hospitalsbruderschaft der Krankenpflege gewidmet hatte und bis Mitte des 12. Jahrhunderts sein Tätigkeitsfeld von der Beherbergung und Pflege von Pilgern, Kranken und Armen auch auf deren militärischen Schutz durch Ordensritter ausweitete. 

Auch der, 1189 als Hospitalsbruderschaft gegründete, Deutsche Orden wurde 1198 nach dem Vorbild der Templer zu einem geistlichen Ritterorden erweitert. Insbesondere zwischen den Johannitern und Templern entwickelte sich in der Folgezeit eine rege Konkurrenz um Macht und Einfluss im Heiligen Land, die teils gar in blutigen Gefechten ausartete und die Kreuzfahrerstaaten insgesamt schwächte.


Wirkungsfelder der mittelalterlichen Tempelritter

 Der stetig wachsende Strom an Pilgern zog in den unübersichtlichen bergigen Regionen der Strecke von Jaffa über Ramla nach Jerusalem Räuber und Wegelagerer an. Die Routen von der Küste ins Hinterland waren deshalb für unbewaffnete Pilger gefährlich. Nachdem der Großteil des Kreuzritterheeres nach Europa zurückgekehrt war, schütze niemand mehr diese Wege und Pilger waren Überfällen schutzlos ausgeliefert. So machten es sich die ersten Gründer um 1118 zur Aufgabe, ihr Recht, Waffen zu tragen, zur Sicherung der Straßen des heiligen Landes für die christlichen Reisenden zu nutzen.

Ein erster, rein militärischer Einsatz des Ordens endete mit der Belagerung von Damaskus im Jahr 1148 in einem Fiasko, das den meisten Templern den Tod brachte. Dem mittlerweile hervorragenden Ruf des Ordens war es aber zu verdanken, dass er in den Folgejahren weiterhin großen Zulauf hatte und die Templer an allen größeren Feldzügen im Heiligen Land beteiligt waren. Dabei blieben die Tempelritter, wie auch die beiden anderen jungen Ritterorden, vom Königreich Jerusalem unabhängig und konnten ihren politischen Einfluss mehr und mehr ausbauen.

 Ihre militärische Bedeutung wuchs mit dem hohen Grad ihrer Ausbildung. Nachdem zum Beispiel am 18. Mai 1291 die  letzte Metropole im christlichen Outremer, die Stadt Akkon, gefallen war, konnten Tempelritter ihre dortige Zitadelle noch weitere zehn Tage halten. Sie fiel erst, nachdem gegnerische Truppen die Mauern untergruben um dann in deutlicher Überzahl zum Sturmangriff überzugehen. Die beiden letzten Festungen im Nahen Osten Tortosa und Athlit, wurden im August des gleichen Jahres kampflos aufgegeben und die verbliebenen Ritter zogen sich nach Zypern zurück. Lediglich die heute unbewohnbare Insel Ruad vor Tortosa verblieb bis zum 28. September 1302 im Besitz des Ordens, der sich in der Folgezeit militärisch nicht mehr im Heiligen Land engagierte und der sich zunächst lediglich noch an der bewaffneten Vertreibung der Mauren, der Reconquista, von der Iberischen Halbinsel beteiligte.

Nördlich der Alpen verwalteten rund 15.000 Ordensmitglieder etwa 9.000 Güter unterschiedlicher Größe in ganz Europa. Hier erwirtschafteten sie Gewinne, die unter anderem zur Finanzierung des Kampfes in Palästina und bei der Söldnerwerbung eingesetzt wurden. Noch heute sind der „Temple“ in Paris und die „Temple Church“ in London, sowie die Siedlung "Tempelhoffe" (1290), das heutige Berlin-Tempelhof, bekannt. Während die Baudenkmäler in Paris und London noch heute ihre enorme Bedeutung für den Orden bezeugen, ist Tempelhof zunächst lediglich als landwirtschaftlich  genutztes Landgut zu sehen, das keinerlei militärische Funktion inne hatte und ausschließlich wirtschaftlichen Zwecken diente. Abgesehen von den majestätischen Burganlagen im spanischen Ponteferrada und der Wehranlage im portugiesischen Tomar finden sich heute keine größeren militärischen Spuren der Templer mehr. Anders, als vielfach angenommen, haben die überwältigenden Festungsmauern im südfranzösischen Carcasonne ihren Ursprung bei den Katharern, nicht aber den Tempelrittern. 


Der Niedergang - ein mittelalterlicher Justizskandal

Das Ende des Tempelritterordens vollzog sich in einem länger währenden Prozess und kam nicht über Nacht. Die unerschütterliche Konsequenz, mit der die machtpolitisch Verantwortlichen dieses Ende betrieben, hatte mehrere Ursachen: Zwischen dem 1200 und dem 1400 stabilisierten sich zunehmend die Strukturen weltlicher Herrschaftsgebiete. Wo man im früheren mittelalterlichen Weltbild zunächst erst Christ und dann weltlicher Untertan des jeweiligen Herrschers war, wandelte sich dieses Verständnis allmählich zugunsten der Regenten um. Diese betrachteten die überstaatlich legitimierten päpstlichen Orden zunehmend mit Missgunst und wachsendem Misstrauen. Die Mönchsritterorden verfügten über große, hervorragend ausgebildete Truppen in einem auch im Kampf sehr erfahrenen und möglicherweise bedrohlichen, unabhängigen Heer. Diplomatisch geschickter als der Orden der Templer, verstanden es die beiden anderen großen Ritterorden in der Folgezeit des Kreuzzuges, eigene territoriale Herrschaftsbereiche zu besetzen, ohne dabei den weltlichen Herrschern zu nahe zu kommen: die Johanniter auf Rhodos und die Deutschordensritter in Preußen.

Für die Tempelritter auf ihren ausgebauten französischen Burgen traten dramatische Veränderungen ein: nach dem Fall Outremers empfahlen mehrere Berater dem amtierenden französischen König Philipp IV. (der Schöne, 1268-1314) zur Festigung seiner Macht gegenüber den französischen Adeligen unter anderem einen neuen Kreuzzug. Das hierzu benötigte Kapital sollte sich der König verschaffen, indem er die Templer vernichtete und ihre Güter beschlagnahmte. Da Philipp IV. regelmäßig wegen seiner teuren Hofhaltung und ständiger militärischer Aktivitäten hoch verschuldet war, beherzigte er diesen Rat, nicht zuletzt, weil ein beachtlicher Teil seiner Schulden gegenüber den Templern selbst aufgelaufen war. Zuvor hatte Phillip der Schöne wohl darüber hinaus einen Antrag auf Mitgliedschaft im Orden gestellt, der aber abgelehnt wurde, was er als ungeheuren Affront gegen seine Person angesehen hatte. Nicht nur Philipp IV. erkannte aber schon früh, dass ein derart offensichtliches Vorgehen bei der Geldbeschaffung  auch für einen erstarkenden selbstbewussten König unmöglich war: Einer seiner Berater sorgte deshalb unter Gewaltanwendung dafür, dass Zeugen im Jahr 1307 den Orden der Ketzerei und der Sodomie anklagten, was für einen christlichen Orden als vernichtend angesehen wurde. Hinzu kam, dass der aus Frankreich stammende Papst Clemens V. mit  Amtssitz in Avignon vom französischen König existentiell abhängig war. Über viele Jahrzehnte hatten die Päpste an Macht und Bedeutung verloren und nun musste dieser Papst unter dem Druck des Königs eine Untersuchung gegen die Templer einleiten, die formal rechtlich unter seinem Schutz standen. Das Vorgehen Philipp IV. war dabei zwar auch für seine Zeitgenossen unerhört, der Papst musste sich jedoch wieder und wieder den Winkelzügen des Königs beugen.

Am 14. September 1307, dem Fest „Kreuzerhöhung“, wurde der Haftbefehl gegen alle Templer ohne Ausnahme ausgefertigt. Sie seien zu verhaften, gefangen zuhalten und dem Urteil der Kirche zuzuführen, ihre Besitztümer und bewegliche Habe sei zu beschlagnahmen und zu treuen Händen aufzubewahren. Von der königlichen Kanzlei ergingen dann an alle königlichen Wachten in Frankreich versiegelte Briefe mit der Auflage, sie am Freitag, den 13. Oktober 1307, zu öffnen um dann strikt und gemäß dem Inhalt zu verfahren. Mit diesem ersten konzertierten Kommandounternehmen der Weltgeschichte konnte erfolgreich verhindert werden, dass sich die templerischen Brüder untereinander warnen konnten. So waren die königlichen Behörden in der Lage, den größten Teil der völlig überraschten Templer überwiegend widerstandslos zu verhaften.

Der Papst versuchte in dieser Lage, seine ihm verbliebenen Instrumente einzusetzen, um den, ihm schutzbefohlenen Ritterorden vor dem Schlimmsten zu bewahren. So leitete er ein Inquisitionsverfahren ein, mit dem er die Ritter vor weltlichem Zugriff zu schützen versuchte. Die folgende Inquisition zog sich aber wegen ständiger Manipulationen des Königs über Jahre hin. Unter Folter gestand der Großmeister Jacques de Molay zunächst die Richtigkeit der Anklagepunkte, widerrief dann aber kurz darauf. Es folgte ein sehr langes Ermittlungsverfahren durch den Papst gegen den Willen des französischen Königs, der einen kurzen Prozess wollte. Das Kräftemessen zwischen Papst und König endete schließlich mit einem Kompromiss zu Lasten der Templer und am 22. März 1312 löste Clemens V. auf dem Konzil von Vienne den Orden auf. Zunächst wurde er für dieses Verhalten scharf kritisiert, hatte er doch seinen geistlichen Schutz gegenüber den, ihm direkt unterstellten Templern, verraten. 

Betrachtet man die Auflösung des Ordens und deren Folgen aber genauer, so rettete er genau mit dieser Handlung das Leben hunderter französischer Templer: Nachdem es keinen Orden mehr gab, war auch kein Prozess mehr möglich; es blieb bei vereinzelten Ermittlungsverfahren. In seiner Gesamtheit wurde der Orden nicht verurteilt, es erfolgten lediglich Verurteilungen einzelner Templer. So wurde am 18. März 1314 wurde der letzte Großmeister des Templerordens, Jacques de Molay, zusammen mit Geoffroy de Charnay in Paris auf dem Scheiterhaufen verbrannt, nachdem man ihn zunächst zu lebenslanger Kerkerhaft verurteilt hatte. Da er aber nochmals deutlich der Anklage widersprach und damit erneut alle Beschuldigungen gegen den Orden zurückwies, wurde er als „relapsus“ (rückfälliger Ketzer) nach damals geltendem Recht verbrannt. Die Güter des aufgelösten Ordens gingen, anders, als von Philip IV. geplant, auf die Johanniter über.

Obwohl nach offiziellen Quellen nahezu alle Templer in Frankreich verhaftet worden waren, wurden tatsächlich nur wenige Todesurteile vollstreckt und dies auch nur im königlichen Einflussbereich Frankreichs. So wurde zum Beispiel in Avignon, dem damaligen Papstsitz, kein einziges Todesurteil vollstreckt. Außerhalb des unmittelbaren Machtbereiches von König Philipp IV. wurden die Templer überdies nur zum Teil verfolgt, teilweise sogar gänzlich in Ruhe gelassen. Allerdings war durch den Wegfall der geistigen und wirtschaftlichen Führungselite in den Ordensregionen und der Ordenszentrale in Paris die Macht der Templer gebrochen. Ihre Aktivitäten waren nur mehr lokaler oder regionaler Natur. 

In Zypern und anderswo blieben die Würdenträger der templerischen Gemeinschaft bis zum Tode in Haft. In Portugal wurden allerdings die meisten aus Frankreich geflohenen Templer freigesprochen. 1319 gründete König Dionysius in Portugal gegen den Widerstand der Mächtigen in Spanien und Frankreich den Orden der Ritterschaft Jesu Christi. Dieser neue Orden bestand aus Templern, denen die Flucht aus Frankreich nach Portugal gelungen war. Dionysius schätzte sie sehr wegen ihrer militärischen Kenntnisse und Ausbildung beim Einsatz zur Verteidigung der portugiesischen Küste gegen die Mauren. Besonders interessant waren in diesem Zusammenhang die Hafenanlagen von Lisboa, dem heutigen Lissabon. Die Güter des Templerordens in Portugal wurden auf den neugestifteten Orden der „Ritter Christi“ übertragen. 

Weiterhin wurde bestimmt, dass die Ritter des Ordens der Ritterschaft Jesu Christi nach der Regel des Ritterordens von Calatrava zu leben hätten. Da die Gründung über mehrere Jahre vorbereitet worden war, erhielt der neue Orden auch die päpstliche Bestätigung.  Es folgte zwischen 1312 und 1705 ein Zeitraum, um den sich bis heute viele Mythen ranken, in dem jedoch nur der Fortbestand der Templergemeinschaft in Portugal tatsächlich belegt ist.